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Pächter-Porträt

Der Dirigent der Mittagssymphonie

Ist das noch eine Tankstelle? In Alexander Schellings Allguth Station am Münchner Georg-Brauchle-Ring 30 lassen sich vom Bauarbeiter bis zum Geschäftsmann zahlreiche Kunden von der Symphonie der Genüsse zur Mittagszeit und den köstlichen Asia-Gerichten begeistern. Schellings Zutaten? Eine klangvolle Vision und ein Orchester leidenschaftlicher Mitarbeiter.

Bis zu zwei Mal am Tag wechselt Alexander Schelling in der Arbeit seine Schuhe. „Das gibt dir neue Energie.“ Er will nun auch, dass seine Mitarbeiter zwei Paar Schuhe zu ihrer Schicht mitbringen. „Ich möchte, dass sie mit sich und ihrer Gesundheit verantwortungsvoll umgehen und sich wohlfühlen.“ Auf solche Details legt Schelling viel Wert. Er optimiert hier, passt dort etwas an, analysiert den Markt und probiert Neues. So hat er seine Allguth Station in der Nähe des Olympia Einkaufszentrums zu einer außergewöhnlichen Tankstelle gemacht. Eine Tankstelle, die mittags kulinarischer Magnet Nummer eins der Gegend geworden ist.

Mein Fokus lag schon in jungen Jahren auf groß, schnell und besonders.“

– Alexander Schelling , Allguth Pächter –

Nach vorne denken, mutig und unerschrocken sein, Menschen begeistern – das treibt ihn an. Schelling ist damit Botschafter der Kultur, die bei Allguth gelebt wird. Der ewig Hungrige hat seine Leidenschaft für die Gastronomie und die ständige Verbesserung von seiner Mutter geerbt, seinen thailändischen Wurzeln. „Thais sind leidenschaftliche Dienstleister. Ich habe früh angefangen zu arbeiten, einfach weil ich es wollte. Natürlich auch im Restaurant meiner Mutter.“ Sowohl in Würzburg, als auch im dänischen Roskilde. Sie hat ihm vorgelebt, die eigenen Mitarbeiter familiär zu behandeln, füreinander da zu sein und respektvoll miteinander umzugehen.

Schelling ist 1980 in Bangkok geboren und in der Nähe von Stuttgart aufgewachsen. Nach einer Ausbildung im Stuttgarter Millennium Hotel arbeitete er ein halbes Jahr auf einem Kreuzfahrtschiff und ging so den Spuren seines Vaters nach, der Seemann war. Außerdem konnte er sich dadurch die Hotelfachschule finanzieren. Anschließend arbeitete er vier Jahre am Flughafen München und leitete dort ein großes Team an Mitarbeitern im gastronomischen Bereich.

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Auf der Suche nach der nächsten Herausforderung war ihm klar: „Es muss kurzweilig sein, viel los, ganz nah am Menschen. Es ist wichtig, dass Atmosphäre da ist. Ein Banketthotel ist nichts für mich. Das ist zu trocken, Business, ohne Emotionen.“ 2014 ist er auf eine Stellenanzeige der Allguth gestoßen: „In jedem Satz und jedem Wort habe ich mich wiedergefunden.“ Dreieinhalb Jahre kümmerte er sich von der Firmenzentrale aus um den Bereich Gastronomie und gestaltete einige Stationsumbauten mit. „Die Allguth entwickelt sich immer weiter und ich habe gespürt, dass du hier viel Raum für deine Ideen erhältst.“

Seit Juni 2017 ist Schelling selbst Pächter der Station am Georg-Brauchle-Ring und setzt seine eigenen Ideen um. „So eine Chance bekommt man nicht oft.“ Die Inhaber Christian und Michael Amberger haben an ihn geglaubt und ihm die Chance gegeben. Die nutzt der heute 39-Jährige Tag für Tag, wenn seine Mitarbeiter zum Orchester, seine Kunden zu Gästen und er selbst zum Dirigent seiner Mittagssymphonie werden.

Tempo, Lebendigkeit, Abwechslung! „Die Kunden wollen dieses Spektakel sehen.“

„Sobald wir unsere zahlreichen, zusätzlichen Tische aufbauen, signalisiert das den Leuten in der Umgebung: Hier passiert gleich was Großes. Und so ist es dann auch.“ Von Montag bis Freitag füllt sich seine Tankstelle schlagartig mit Menschen aus den umliegenden Büros, die hier in der Allguth ihre Mittagspause verbringen. Schelling setzt auf gesunde und frische Gerichte mit wertigen Produkten, in dem Wissen, dass es schnell gehen muss. Das sei die gelernte Erwartungshaltung der Kunden.

Die kulinarischen Meisterwerke entfalten sich in drei Akten, Schelling selbst spricht von „drei Aggregatszuständen“: Stufe 1 am Morgen, die Ouvertüre. Stufe 2 die Brotzeit am Vormittag, das Crescendo. Und Stufe 3 der Mittagstisch, das große Finale. Dann greift jedes Rädchen ins nächste, jeder Handgriff ist einstudiert, die Abläufe perfekt abgestimmt. „Das sind mittlerweile Rituale. Wir arbeiten wie die Musketiere: ‚Einer für alle, alle für einen‘.“ Am Ende des Tages sind sie stolz darauf, die Symphonie der Genüsse zur Mittagszeit wieder ermöglicht zu haben.

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Dankbar ist Schelling für die große Unterstützung, die er in den ersten Wochen seiner Selbstständigkeit von seinen Pächter-Kollegen erfahren hat. Wie läuft das mit den Abrechnungen, woran gilt es in der Buchhaltung zu denken und wie geht man mit der Herausforderung um, 24 Stunden geöffnet zu haben? Die alten Hasen im Allguth Netz wurden nicht müde, alle Fragen zu beantworten. Diesen Zusammenhalt schätzt Schelling sehr und würde diese Hilfestellung heute genauso weitergeben.

Gerne erinnert er sich an den Moment, als er seinen ersten Mitarbeiter eingestellt hat. „Ich habe ihm von meiner Vision erzählt. Er erinnert mich heute immer mal wieder daran. Es ist schön, die Menschen für eine Idee zu begeistern. Ich will derjenige sein, der den Mitarbeitern hier etwas mitgibt, eine Perspektive bietet. Das ist meine Motivation.“

Die andere Motivation wartet zuhause auf ihn – seine Familie. Mit seiner Frau hat er zwei Söhne, die ihn auch mal in seiner Station besuchen. Die Zwillinge sind mittlerweile 5 Jahre alt und haben zuletzt selbst kurz an der Kasse bedient, das hat ihn sehr gefreut. „Mir ist es wichtig, dass die Jungs mich auch bei der Arbeit sehen. Und merken, welche Werte ich hier umsetze.“